Eisschwimmen in Saint-Louis – zwei Masters haben es ausprobiert
Loïc Ledernez und Sonja Lamers sind bei den Championnats de France de Nage en Eau Froide mitgeschwommen. Kalt war’s.
Die französischen Meisterschaften im Kaltwasserschwimmen beziehungsweise Eisschwimmen fanden vom 8.1. bis 11.1.2026 in Saint-Louis statt. Da die Wassertemperatur die ganze Zeit unter 5 Grad lag, galt die Veranstaltung als Eisschwimm-Wettkampf. Die 5 Grad bilden die Grenze zwischen Kaltwasser- und Eisschwimmen. Das war die erste Herausforderung.
Loïc und Sonja starteten beide am Sonntag über 100 Meter Rücken und 200 Meter Lagen. Wunschstrecke waren die 200 Meter Lagen. Allerding as muss man vorher schon einmal 100 Meter bei einem Kaltwasserschwimm-Wettkampf geschwommen sein, um Strecken über 100 Meter schwimmen zu dürfen. Daher war dieser Doppel-Start nötig – zweite Herausforderung.
Es gibt bestimmte Vorgaben für Eisschwimm-Wettkämpfe. Diese stammen von der International Ice Swimming Association (IISA). Sie wurde 2009 von dem Südafrikaner Ram Barkai gegründet und organisiert seitdem Weltmeisterschaften und Events. Eine besondere Vorgabe: Man muss einen Gurt tragen, damit man besser aus dem Wasser gezogen werden kann, im Notfall. An Kleidung ist folgendes vorgegeben: ein einziger Standard-Badeanzug (darf nicht unterhalb der Knie enden), eine Schwimmbrille, Ohrstöpsel und Nasenklammer (zum Glück, die halten so schön warm) und eine einzige Badekappe aus Silikon oder Latex. Vor allem letzteres: eine dritte sehr große Herausforderung.
Vierte Herausforderung: Der unkonventionelle Wettkampfablauf. Ein Kopfsprung vom Startblock oder Beckenrand ist nämlich nicht erlaubt. Beim Eisschwimmen wird bereits im Wasser gestartet. Man hält sich mit einer Hand am Rand fest, die andere Schulter muss dabei unter Wasser sein. Nach dem Start sowie nach den Wenden darf dann jeweils nicht mehr als fünf Meter getaucht werden. Das hat vor allem gesundheitliche Gründe: Der Kopf darf nicht länger als notwendig ins kalte Wasser untertauchen – und er hat ja zum Schutz nur eine Badekappe. Leinen mit roten Fähnchen markieren auf beiden Seiten des Beckens, wo diese fünf Meter sind.
Loïc stolperte leider über diese vierte Herausforderung. Er wurde wegen falschem Rückenstart disqualifiziert. Sonja legte diese Strecke in 1:44,07 Minuten zurück. Das reichte für den dritten Platz bei den Masters 2. Sie schwamm als Deutsche natürlich außerhalb der französischen Wertung mit.
Und dann kam die fünfte Herausforderung: Zwischen der Rückenstrecke und den 200 Meter Lagen waren nur acht bis zehn Minuten. Das reichte nicht so richtig, um sich wieder aufzuwärmen. Das war sicherlich auch der Grund, warum Loïc bei der ersten Bahn Delfin in Brust übergehen musste und damit auch hier disqualifiziert wurde. Er schwamm allerdings noch in Alt-Damen-Brust zurück und unterhielt sich die ganze Zeit mit dem mitlaufenden Rettungsschwimmer und wäre in beliebiger Lage noch weiter geschwommen. Durfte er nicht. Sonja schwamm die 200 Meter Lagen in 3:41,15 Minuten. Damit war sie 30 Sekunden schneller als die französische Meisterin. Eine goldene und eine bronzene Holzmedaille nahm sie mit nach Hause. Wahrscheinlich hängen beide immer noch um ihren Hals.
Um schnelle Zeiten oder gute Plätze war es den beiden Masters-Schwimmern allerdings nie gegangen. Sondern darum, die Sportart Eisschwimmen auszuprobieren, Grenzen zu testen und die Glückshormone danach zu genießen. Und eins ist klar: Loïc will Revanche. Sein Lehrgeld hat er dieses Mal bezahlt, das nächste Mal wird es klappen. Beide werden also weiter in den Flückinger abtauchen – im Winter.




